Besserwisser: Basics – Die Aufnahme im Studio (Teil 2)

Letzte Woche haben wir uns gefragt, was eigentlich bei einer Aufnahme im Studio passiert und uns am Ende gefragt, was man außer motivierten Musikern und guter Stimmung noch benötigt. Grundsätzlich braucht man für eine Aufnahme drei Zutaten:

1. Das Mikrofon

Drei Vertreter der Gattung Mikrofon… Von links nach rechts: Bändchen, Tauchspule, Kondensator

Das Mikrofon hat die magische Kraft, Schall in eine elektrische Spannung umzuwandeln. Wie es das macht ist vom Mikrofontyp abhängig, aber für diesen Artikel belassen wir es dabei, die drei heutzutage gebräuchlichen Mikrofontypen einmal zu nennen. Es gibt Kondensatormikrofone, Tauchspulenmikrofone und Bändchenmikrofone.

Gibt es schlechte Mikrofone? Eigentlich nicht. Sicher gibt es eher vielseitige Mikrofone und solche, die eher Spezialisten sind, aber jedes Mikrofon kann sich für eine bestimmte Aufnahme als genau das Richtige erweisen.

2. Der Mikrofonvorverstärker

Die Magie des Mikrofons ist stark, aber die elektrische Spannung, die es produziert, leider ziemlich schwach. Deshalb muss ein Verstärker her, der das Signal auf einen für die weitere Verarbeitung brauchbaren Pegel anhebt.

Mikrofonvorverstärker gibt es in Massen z. B. in großen Mischpulten, aber auch als Einzelgeräte in allen Preisklassen. Manche versuchen, sich möglichst neutral zu geben, andere wollen dem Signal noch eine kleine (oder große) Portion Eigenklang mit auf den Weg geben.

Gibt es schlechte Mikrofonvorverstärker? Wahrscheinlich eher als schlechte Mikrofone, aber darüber kann man lange diskutieren. Nicht jetzt, nicht hier!

3. Das Aufnahmemedium

Classical Band – Recording

Das war lange Zeit die Bandmaschine. Auch heute gibt es noch (und wieder) Analogfans, die auf den guten Sound des Bandes schwören und unbestritten hat dieser seine eigene Magie. Allerdings ist Band teuer und verzeiht weniger Fehler als der heute weitaus häufiger eingesetzte Computer.

In Zeiten der Terrabyte-Festplatten können problemlos hunderte Spuren aufgenommen werden, ohne dass der Rechner ins Schwitzen kommt oder Qualitätsverlust droht. Nutzt man den Computer als Bandmaschine, ist allerdings zwingend eine weitere Zutat für die Aufnahme nötig, nämlich:

 
3b. Der AD-Wandler

Dieser wandelt das analoge Signal des Mikrofonvorverstärkers in ein Digitales um, damit der Computer es versteht und weiterverarbeiten kann. Klingt logisch, oder?

Ähm.

Soweit die Regel, aber hier und da nimmt man auch schon mal ohne Mikrofon auf. Beispielsweise wird der E-Bass gerne als Direktsignal aufgenommen (oder man nimmt ihn auf zwei Spuren auf – einmal den mikrofonierten Bassverstärker und einmal das Direktsignal).

Dazu benötigt man meist eine DI-Box oder einen Preamp mit Hi-Z-Eingang (hochohmiger Eingang für Instrumente), stöpselt den Bass dort ein und dann geht es vom Vorverstärker aus gleich weiter in den AD-Wandler.

Auch Gitarren werden heute bisweilen ohne Amp aufgenommen und erst im Computer durch den virtuellen Amp gejagt.

Nicht zuletzt gibt es auch noch Softwareinstrumente (Sampler oder Synthesizer). Diese werden per MIDI entweder gespielt (mit einem MIDI-Keyboard/-Controller) oder gleich im Rechner „programmiert“. Kein Mikrofon, kein Vorverstärker, keine Wandler. It’s a digital world …

Brauche ich mit diesem Wissen überhaupt noch das Studio?

MIDI – Kinderleicht

Heutzutage gibt es Handheld-Rekorder für unter 100 Euro, die all die oben genannten Zutaten in sich vereinen. Und die gute Nachricht ist: Wenn euer Song gut ist, dann bleibt er gut, egal wie und womit er aufgenommen wurde. Für den perfekten, amtlichen Sound aber, also die Veredelung eurer Musik, lohnt sich in jedem Fall die Aufnahme im Studio.

Zum einen hat das Studio einen eigens für Aufnahmen eingerichteten Raum, zum anderen ist auch die technische Ausstattung meist besser, also die Auswahl an Mikrofonen, Verstärkern und anderen magischen Dingen. Zum anderen gibt es im Studio aber die geheime vierte Zutat für die perfekte Aufnahme: die Erfahrung des Tontechnikers, der sich seit Jahren damit beschäftigt, den besten Sound aus einer Band rauszuholen und ihre Songs zu Hits zu machen.

Und was passiert danach, wenn die perfekte Aufnahme im Kasten ist? Dann wird gemischt! Doch davon berichtet vielleicht einmal ein anderer Besserwisser.

Ihr wollt mehr?

Das waren erst einmal die Basics für die Aufnahme im Studio. Hat euch das geholfen? Würdet ihr über das ein oder andere gerne mehr erfahren oder liegt euch ein ganz anderes Recording-Thema auf dem Herzen, zu dem ihr gerne einen Besserwisser-Artikel hättet? Dann lasst es uns wissen! Wir freuen uns über euer Feedback!

Euer Thomas

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